Kultur der Sami

Rentierscheid

Markierung der Rentierkälber, Dezember 2007

Skandinaviens Urbevölkerung

Besuch bei den Samen

Einige unserer Reisen beinhalten einen Besuch bei den Samen und versprechen interessante kulturelle Eindrücke. Aber wer oder was sind die Sami, oder auch Samen genannt? Hier möchten wir die Sami, ihre Geschichte, ihre Kultur, ihr Leben vorstellen. Ein beindruckender Einblick in eines der letzten Urvölker der Welt.
Die Samen sind eine Urbevölkerung und eine ethnische Minorität in Norwegen, Schweden und Finnland; und auch auf der russischen Halbinsel Kola leben Samen. Ca. vom 16. Jahrhundert an haben in fast allen Gebieten der nordischen Länder, die heute eine ständige samische Besiedlung haben, Samen gewohnt. Das samische Gebiet erstreckt sich von Idre in Dalarna in Schweden bis hinunter nach Engerdal im südnorwegischen Fylke Hedmark sowie nach Norden und Osten bis Utsjoki in Finnland, Varanger in Norwegen und zur Halbinsel Kola in Rußland.
Insgesamt gibt es schätzungsweise 60-100.000; eine vorsichtige Schätzung würde 70.000 ergeben. Für Norwegen hat man eine Bevölkerungszahl von 40-45.000 Samen errechnet, mit der größten Konzentration in der Finnmark, wo ca. 20.000 Samen leben. Schweden hat rund 17.000 und Finnland etwa 5.700 Samen, während es in Rußland 2.000 gibt.
In einer Reihe von Zusammenhängen wird der Begriff "Same" ohne genauere Definition verwendet. Laut Samengesetz vom 12. Juni 1987 Nr. 56 ist man Same, wenn man sich selbst als Samen auffaßt und außerdem Samisch als Muttersprache hat, oder wenn man Eltern oder Großeltern hat/hatte, deren Muttersprache Samisch ist/war
Die älteste literarische Quelle über die Geschichte der Samen stammt von dem Römer Tacitus. In seiner Schrift über Germanien vom Jahre 98 n.Chr. (De origine et situ Germanorum) liefert er die Beschreibung eines Volkes, das er "fenni" (Fennen) nannte. Im Jahre 555 n.Chr. beschreibt der griechische Historiker Prokopios einen Krieg zwischen Römern und Goten. Eins der zahlreichen Völker, die in Thule lebten, sollen die"Skridfinnen" gewesen sein. Paulus Diaconus schreibt Mitte des 8. Jahrhunderts ebenfalls über die "Skridfinnen", ein Volk von Jägern und Skiläufern, das den Hirschen ähnliche Tiere hielt (Rentiere). Die isländischen Sagas bestätigen diese älteren Auskünfte. Die Sagas wurden im großen Ganzen im 13. Jahrhundert geschrieben und berichten von Ereignissen aus der Zeit vom 10. bis zum 13. Jahrhundert n.Chr.. Kaufleute, die mit den Samen Handel trieben, kauften und verkauften Waren und zogen Steuern ein. Zu dieser Zeit waren Tierhäute die wichtigste Handelsware, während in der Wikingerzeit und im Mittelalter unter den Leuten im Norden eine große Nachfrage an Pelzen herrschte.
Die wichtigste Informationsquelle über die Samen in älterer Zeit ist der Bericht Ottars vom Ende des 9. Jahrhunderts. Ottar diente am Hof des englischen Königs Alfred der Große. Er erzählte dem König vom Leben in seiner Heimat, und dieser Bericht wurde der angelsächsischen Fassung König Alfreds von Orosius' "Weltgeschichte" hinzugefügt. Man nimmt an, daß Ottar in der Nähe von Malangen in Norwegen beheimatet war. Ottar erzählte, er habe 800 Hausrene besessen, darunter einige Locktiere, die besonders wertvoll waren. Haupteinnahmequelle waren jedoch die Steuern, die er von den Samen einzog.
Im Jahre 1673 gab Johannes Schefferus sein Buch "Lapponia" heraus, das über das Leben der Samen zu jener Zeit wertvolle Kenntnisse vermittelt.
Im Mittelalter konkurrierten Schweden, Norwegen (später Dänemark-Norwegen) und Rußland um die Herrschaft über die samischen Gebiete, und zeitweise zahlten die Samen Steuern an mehrere Staaten gleichzeitig. Schweden und Dänemark-Norwegen erzielten im Jahre 1751 Einigkeit über eine Grenze, und eins der Ergebnisse war, daß Schweden die beiden Pfarreien Kautokeino und Karasjok in Finnmark an Dänemark-Norwegen abtrat. Norwegen und Rußland einigten sich 1826 über eine Grenze.
Frühe Schriften beschreiben die Samen als Heiden, und schon um 1100 fing man an, in den samischen Siedlungsgebieten Kirchen zu bauen. Im Jahre 1714 wurde ein Missionskollegium in Kopenhagen gegründet, und zwei Jahre später erhielt der Pietist Thomas von Westen die Aufgabe, die samische Missionsarbeit zu leiten. Thomas von Westen predigte im gesamten samischen Gebiet Norwegens im Zeitraum von 1716 bis 1727. Das Kollegium sorgte auch für Bildung. Von Westen leistete heftigen Wiederstand gegen den samischen Schamanismus, dessen tragende Elemente der Schamane und die Schamanentrommel waren. Dennoch ermutigte er die Missionare und die Geistlichen, die samische Sprache zu verwenden. Dieser seiner Politik begegnete man nach seinem Tod im Jahre 1727 mit zunehmenden Wiederstand. Im 19. Jahrhundert spielte Niels Vibe Stockfleth, Priester und Missionar, eine sehr aktive Rolle unter den Samen, und sein Interesse für die samische Sprache trug wesentlich zu ihrer Anerkennung bei. Er übersetzte unter anderem das Neue Testament ins Samische. Zu den wichtigsten Ergebnissen, die Stockfleth erzielte, gehört die Einführung der samischen Sprache als Fach an der Universität in Oslo (damals Kristiania)
Im Mittelalter lebten die Samen von Jagd und Fang. "Siida" ist ein zentraler Begriff für das Verständnis der traditionellen Samengemeinschaft. "Siidaer" waren kleine Lokalgemeinschaften, von denen jede ihr eigenes Landgebiet hatte. Das Nordische Samische Institut (Nordisk-Samisk Institutt) hat durch seine Forschung nachgewiesen, daß diese "Siidaer" praktisch das Besitzrecht an ihren Gebieten hatten. Im 17. und 18. Jahrhundert setzte allen Ernstes die Kolonialisierung der nordischen Gebiete ein. Die Siedler konzentrierten sich auf die Landwirtschaft - eine Erwerbstätigkeit, die zu den traditionellen samischen Erwerbszweigen in scharfen Kontrast stand. Sie hatten Häuser, Butter, Wolle und Milch - Produkte, die vielen Samen interessant erschienen. Zahlreiche Neuankömmlinge aber übernahmen die Lebensart der Samen, indem sie ihre Sitten, Kleidung, Ernährungsweise und Haushaltsführung kopierten.
Die Anwendung der sozialen Theorien von Charles Darwin führte um 1850 zu einer neuen Einstellung den Samen gegenüber. Die erste von mehreren Reformen wurde in den Schulen durchgeführt. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Lehrer angewiesen, in den Schulen den Gebrauch der samischen Sprache zu vermeiden. Von 1902 an war es verboten, jemandem Land zu verkaufen, der nicht Norwegisch sprechen konnte. Der Prozeß der "Norwegisierung" war also in vollem Gange und hielt bis in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen an, als eine offensive Politik zum Ziel hatte, dei Samische Sprache ins Norwegische umzusetzen.
Nach dem zweiten Weltkrieg änderte die norwegische Politik gegenüber den Samen ihren Charakter. Es wurden eine Reihe von Studien über den Schulunterricht angefertigt und eine liberalere Politik betrieben, aber es dauerte eine Zeit, bevor die neue Politik zu wirken anfing.
Die entscheidende Veränderung kam in den 60er Jahren, als das Recht der Samen, ihre eigene Kultur aufrechtzuerhalten, offiziell anerkannt wurde. An den Schulen wurde Samisch zur Unterrichtssprache, und es wurden neue Einrichtungen geschaffen, wie etwar das samische Museum in Karasjok und ein Kulturzentrum für die Südsamen.
Als 1980/81 zur Stromgewinnung der Fluß Alta gestaut wurde - ein Projekt, ds viele Samen erzürnte - , lenkte der sich daraus ergebende Streik größere Aufmerksamkeit auf die Samen und führte zu neuen Studien und Maßnahmen.
Samisch ist eine den ostseefinnischen Sprachen (Finnisch, Estnisch usw.) nach verwandte finnisch-ugrische Sprache. Über den Ursprung des Samischen gibt es mehrere Theorien. Einer von ihnen zufolge haben die Samen früher eine ganz andere Sprache gesprochen - Protolappisch. Andere Theorien besagen, daß die Vorfahren der Samen, von denen man annimmt, sie seien aus dem Osten gekommen, eine ganz andere - mit dem Ostseefinnischen verwandte Sprache gesprochen haben, und daß diese entscheidend vom Kontakt mit dem Finnischen beeinflußt war.
Der Begriff "die samische Sprache" ist irreführend, da von mindestens drei verschiedenen Sprachen die Rede sein kann: Ostsamisch, Zentralsamisch und Südsamisch. Zentralsamisch umfaßt Nord-, Lule- und Pitesamisch. Üblicherweise wird auch angenommen, daß es folgende Hauptdialekte gibt: Südsamisch, Umesamisch, Pitesamisch, Lulesamisch, Nordsamisch, Enaresamisch, Skoltesamisch, Kildinsamisch und Tersamisch. In Norwegen sprechen etwa 20.000 Menschen die samische Sprache, in Finnland ca. 3.000, in Schweden ca. 10.000, und in Rußland wird sie von etwa 1.000 Menschen gesprochen. Die Mehrheit der samischen Sprache mächtigen Einwohner spricht Nordsamisch. In Norwegen wird Nordsamisch in den Fylker Finnmark, Troms und Nordland nördlich von Ofoten gesprochen. In einigen Gegenden des Fylke Nordland spricht man Lulesamisch. Südsamisch wird von Nordland bis zum Fylke Sør-Trøndelag gesprochen. In Varanger in Ostfinnmark wird auch Skoltesamisch (Ostsamisch) gesprochen.
Die samische Sprache folgt keiner Staatsgrenze. In Norwegen kann man, was die samische Sprache betrifft, zwischen drei Gebieten unterscheiden: dem Kern- und dem Küstengebiet sowie dem übrigen samischen Gebiet.
Im Kerngebiet ist Samisch die Alltagssprache und ist im Begriff zur offiziellen Sprache zu werden. Im sogenannten Küstengebiet spricht man traditionell Samisch; hier aber macht sich das Norwegische immer stärker geltend. Im übrigen samischen Gebiet wohnt die Bevölkerung verstreut und in vielen Fällen mit nur wenig Kontakt zueinander. Obwohl die Einstellung zur samischen Sprache in keiner Weise diskriminierend ist, ist die Anpassung ans Norwegische so weit fortgeschritten, daß es schwerfällt, das Samische zur allgemein verwendeten Sprache zu machen. In den beiden letztgenannten Gebieten gibt es natürlich Ecken, wo die Leute sehr daran interessiert sind, die Sprache zu erhalten.
Samische Kinder haben jetzt das Recht auf Unterricht im Samischen und auf Samisch. In Kautokeino gibt es einen samischen Unterrichtsrat, der sich mit diesbezüglichen Fragen beschäftigt.
Viele Elemente der samischen Kultur lassen sich in Richtung Osten im arktischen und subarktischen Teil Europas und Asiens wiederfinden. Andere kulturelle Erscheinungen sind ein Ergebnis des Kontakts mit den Nordländern - ein Kontakt, der schon vor der Wikingerzeit zustande kam. Die samische Kultur ist deutlich davon geprägt, daß die Samen früher Fischer und Jäger waren. Im 16. Jahrhundert entwickelte sich die Jagd auf wilde Rentiere gradweise zur Rentierhaltung - mit dem Ergebnis, daß die Samen zu Nomaden wurden. Heute gibt es nicht viele Samen, die als Nomaden leben: In Norwegen sind weniger als zehn Prozent der samischen Bevölkerung Rentierhalter. Hauptelemente der samischen Kulturtradition sind der "Joik" (eine Art Jodeln, das aus rhythmisch gesungenen Gedichten oder poetischen Liedern besteht), die samische Sprache und samische Sagen, samische Zelte, ökologische Kenntnisse, der Schamanismus, Volksmedizin, eine eigene Tracht, Transportmittel wie Boote und Rentierschlitten sowie samische Tischlerarbeiten.Der "Joik" ist die ursprüngliche Musikform der Samen. Er hatte seinen natürlichen Platz in der alten Religion der Samen, dem Schamanismus. Als kulturelle Ausdrucksform ist der "Joik" sehr produktiv und es sind viele verschiedene Arten komponiert worden. Zu den beliebtesten gehört der "Joik", der den Charakter einer bestimmten Person beschreibt, die dann der rechtmäßige Besitzer des "Joik"wird. Sowohl traditionelle als auch moderne samische Musik ist jetzt auf Bühnen und Schallplatten zu hören. Niels Aslak Valkeapääs musikalisches Wirken hat einen bedeutenden Einfluß auf die Renaissance des "Joik" gehabt. Weitere aktive "Joik" Künstler sind Ailu Gaup (traditionell) und Mari Boine Persen, die mit "Joik" Tönen vermischte moderne Melodien singt.
Die mündliche "Literatur" der Samen ist umfangreich. Eine besonders charakteristische Form ist die Dichtung, die zum "joiken" gehört. Der älteste schriftliche samische "Joik" Text findet sich in Johannes Schefferus' Werk Lapponia, das zwei "Joik" Gedichte enthält.
Außerdem gibt es eine enorme Anzahl und Vielfalt von Sagen. Ein Teil davon ist in dem Buch Lappiske eventyr og sagn (Lappische Märchen und Sagen) von J.K. Qvgstad (1853-1957) gesammelt. Bis zum 20. Jahrhundert wurde - neben Wörterbüchern und Sprachlehren - ausschließlich religiöse Literatur auf Samisch herausgegeben. Schon im Jahre 1728 war Luthers Kleiner Katechismus auf Nordsamisch erschienen, übersetzt von Morten Lund. Anders Larsen (1970-1949) schrieb den ersten Roman in samischer Sprache. Bæivve-Algo Morgengrauen heißt das Buch, das von der Entwicklung eines kleinen Samenjungen in norwegischen und samischen Milieus erzählt. In den 70er Jahren kam die literarische Produktion allen Ernstes in Schwung. Unter den neuen Autoren finden sich Namen wie Nils Viktor Aslaksen, Rauni Magga Lukkari, John Gustavsen und Ailo Gaup.
Die samische Bildende Kunst hat ihre Wurzeln sowohl in der alten Kultur aus der Zeit der Rentierhaltung als auch in der modernen samischen Gesellschaft. Viele verwenden in ihrem Werk die heiligen Symbole der Schamanentrommel. Johan Savio (1902-1938) hat sich von der Kultur der Zeit der Rentierhaltung inspirieren lassen, während Iver Jåks (geb. 1932) über eine breitere Palette von Motiven verfügt. In den 70er Jahren wurden immer mehr Samen als Bildende Künstler tätig. Zu den neuen Namen gehören Synnøve Persen, Tryggve Lund Guttromsen und Hans Ragnar Mathiesen.
Samische Zeitungen gibt es seit 1870. Die älteste - seit 1898 noch heute regelmäßig erscheinende - ist die religiöse Publikation Nuorttanaste. Sámi Áigi mit Redaktion in Karasjok ist ein seit 1979 erscheinendes Nachrichtenblatt.
Das erste Radioprogramm in samischer Sprache wurde 1946 ausgestrahlt. Seither sind die Sendungen länger geworden und haben einen variierten Inhalt bekommen. Heute kann man auch im norwegischen Fernsehen ab und zu Programme in samischer Sprache sehen.
Die samische Theatergruppe Beavvás mit Sitz in Kautokeine wurde Ende 1979 gebildet. Seit 1990 hat sie den Status eines ständigen Theaters. Bis 1987 hat Beavvás rund ein Dutzend größere Produktionen. Die Gruppe ist im norwegischen Rundfunk und Fernsehen (NRK) aufgetreten und macht Tourneen im gesamten samischen Gebiet sowie auch anderswo in den nordischen Ländern und im Ausland. Interessengebiete sind samische Traditionen, die Gegenwart der Samen sowie andere Kulturen und sprachliche Probleme.
"Duodji" oder samisches Handwerk war ursprünglich ausschließlich für den eigenen Gebrauch gedacht. Heute wird in hohem Maße auch für den kommerziellen Absatz produziert. Samisches Handwerk ist für viele Samen Haupterwerbszweig, spiegelt aber auch als Nebenerwerb zusätzlich zu den traditionellen samischen Erwerbszweigen eine große Rolle. "Duodji" ist im Laufe der zeit zu einer bedeutenden Industrie geworden und umfaßt nicht nur traditionelles Handwerk, sondern auch Kunst und Kunsthandwerk. Produktion und Vertrieb von samischem "Duodji" finden zunehmend in organisierter Form statt.
Samische Erwerbszweige: Neben Rentierhaltung und Fischerei sind Landwirtschaft, Handel, Industrie in kleinem Maßstab, Handwerk und Dienstleistungsindustrie die wichtigsten Erwerbszweige der Samen. Im großen ganzen gibt es in den meisten Erwerbstzweigen und Berufsgruppen der modernen Gesellschaft Samen. Studien über die Berufszugehörigkeit der Samen im Vergleich zu anderen Gruppen haben jedoch ergeben, daß die Samen im Dienstleistungssektor am schwächsten vertreten sind.
Die Rentierhaltung ist ein wesentliches Element der Bewahrung der samischen Kultur. In den letzten Jahren hat sie jedoch einen Modernisierungsprozeß durchgemacht, der ihre Stellung als treibende Kraft im Kampf um die Bewahrung der samischen Kultur und Identität bedroht. Die Rentierhaltung ist zu einer kapitalintensiven Industrie geworden. Bei dieser neuen Form von Rentierhaltung, die auf maximale Fleischproduktion abgestellt ist, ist moderne Technologie zur unabdingbaren Notwendigkeit geworden. Das Areal für die Rentiere ist geschrumpft, und die Qualität der Weiden hat sich aufgrund von industriellen Aktivitäten und Umweltschäden verschlechtert. Rentierfleisch hat an der gesamten Fleischproduktion Norwegens einen Anteil von einem Prozent, und im Jahre 1985 wurden durch Schlachtung 2.000 Tonnen Rentierfleisch produziert. Landwirtschaft ist ein Erwerbszweig in Kombination mit anderen, aber auch sie ist modernisiert worden und ist jetzt kapitalintensiver.
Höhere Bildung und Forschung: Seit 1848 hat die Universität Oslo die samische Sprache vermittelt, aber auch in Tromsø und Alta und an der "Samischen Hochschule" (Samisk Høgskole) in Kautokeine sowie an den "Pädagogischen Hochschulen" (Lærerhøgskolene) in Bodø, Levanger und Nesna wird Samisch gelehrt. In Kautokeino wurde im Herbst 1989 eine "Samische Hochschule" eröffnet, die in erster Linie Lehrer ausbildet. Das "Nordische Samische Institut" in Kautokeino wurde im Jahre 1974 gegründet. Es ist eine samische Forschungseinrichtung, finanziert vom Nordischen Ministerrat und aus anderen externen Quellen. Aufgabe des Instituts ist es, die samische Bevölkerung der nordischen Länder in theoretischen und praktischen Angelegenheiten mit Forschung, Dokumentation und Dienstleistunggen zu unterstützen. Die Tätigkeit des Instituts ist in drei Bereiche gegliedert: Sprache und Kultur, Bildung und Forschung sowie Wirtschaft, Umwelt und Rechte.
Die erste samische politische Organisation war vermutlich die im Jahre 1903 auf Initiative des küstensamischen Lehrers Anders Larsen in Kvænangen gegründete. Die wiederholten Versuche seitens der norwegischen Regierung, die Samen zu "norwegisieren", waren ein Anlaß zu organisiertem Widerstand. Die erste samische politische Zeitung. Sagai Muittalægje war Anders Larsens Werk. Sie bekam großen politischen Einfluß´- nicht zuletzt, weil Anders Larsen seine Kolumnen zur Förderung des Politikers Isak Saba benutzte, der später ins norwegische Storting gewählt wurde und dort über zwei Sitzungsperioden (1906-1912) tätig war. In den 20er Jahren war der Lehrer Per Fokstad politisch aktiv, aber in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen waren die samischen Organisationen im allgemeinen passiv.
Nach dem Zweiten Weltkrieg dann wurden die samischen Organisationen wieder aktiv. Der "Landesverband der samischen Rentierhalter in Norwegen" (Norske Reindriftssamers Landsforbund, NRL) ist die älteste überlebende Organisation in Norwegen. Gegründet im Jahre 1948, hat der NRL die Aufgabe, die Interessen der samischen Rentierhalter wahrzunehmen. Zielsetzung des im Jahre 1968 gegründeten "Landesverbandes der norwegischen Samen" (Norske Samers Riksforbund, NSR) ist es, die Rechte der Samen als Volk und Urbevölkerung zu behaupten und die allgemeinen Lebensbedingungen der Samen zu verbessern. Der im Jahre 1979 gegründete "Landesverband der Samen" (Samenes landsforbund, SLF) möchte die samische Kultur und Sprache schützen und entwickeln. Er nimmt außerdem Sonderinteressen in Bereichen wahr, in denen die Samen einen klare Minorität darstellen.
Die Samen leiteten ihre nordische Zusammenarbeit ein, indem sie im Jahre 1953 in Jokkmokk in Schweden eine Konferenz abhielten. Eine zweite Konferenz fand 1956 in Karasjok in Norwegen statt. Auf dieser Konferenz wurde die Bildung eines "Nordischen Samischen Rates" (Nordisk Sameråd) beschlossen. Dieser Rat fungiert als Zusammenarbeitsorgan für die norwegischen, schwedischen und finnischen politischen Organisationen der Samen. Folgende Organisationen und Organe sind Mitglieder des "Nordischen Samischen Rates": von Schweden der "Landesverband der schwedischen Samen" (Svenska Samernas Riksforbund) und die "Landesorganisation Same AEtnan" (Riksorganisation Same AEtnan); von Norwegen der NSR und der NRL; von Finnland die "Delegation für samische Angelegenheiten" (Delegationen før Sameærenden - finnisches Parlament der Samen). Ab 1992 sind russische Samen im "Samischen Rat" vertreten. Der norwegische SLF wird in diesem Jahr (Stand 1992) wahrscheinlich ebenfalls Mitglied des Samischen Rates).
Über den "Nordischen Samischen Rat" nehmen die Samen am "World Council of Indigenious People" (WCIP) teil, der weltweiten Organisationen zur Förderung der Gemeinschaft zwischen den Urbevölkerungen der Welt sowie des sinnvollen Wissens- und Erfahrungsaustausches zwischen den Urbevölkerungen und zur Stärkung ihrer Organisationen in den verschiedenen Mitgliedsländern. Die erste Weltkonferenz wurde im Jahre 1975 - dem Gründungsjahr des WCIP - in Port Alberni in Kanada abgehalten.
Die den Samen gemeinsamen Anliegen kommen in einem nordischen politischen Programm zum Ausdruck das 1980 in Tromsø verabschiedet wurde. Das Programm enthält folgende Prinzipien:
Wir Samen sind ein Volk, dessen Zusammengehörigkeit nicht durch Staatsgrenzen gespalten werden soll.
Wir haben unsere eigene Geschichte, unsere Traditionen, unsere eigene Kultur und unsere eigene Sprache. Von unseren Vorfahren haben wir das Recht auf Land und Wasser und unsere eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten erworben.
Es ist unser unveräußerliches Recht, unsere eigenen wirtschaftlichen Aktivitäten und unsere Gemeinschaften in Übereinstimmung mit unseren Lebensbedingungen zu bewahren und zu entwickeln, und wir werden gemeinsam unsere Territorien, unsere Naturreichtümer und unser nationales Erbe für kommende Generationen bewahren.
Das Sameting - samisches Parlament
Das "Samengesetz" (Sameloven) über das samische Parlament und andere Rechtsbelange der Samen enthält die Hauptregeln für das Sameting. Das Gesetz wurde im Frühjahr 1989 vom Storting verabschiedet. Das Sameting wurde im Oktober 1989 von König Olav V. eröffnet.
Dpfehlungen auszusprechen und seine Befugnisse sind im "Samengesetz" verankert.
Das Sameting befaßt sich mit allen für die samische Bevölkerung wichtigen Angelegenheiten. Es kann auf eigene Initiative allen öffentlichen Behörden und privaten Einrichtungen usw. Angelegenheiten unterbreiten. Das Sameting hat Beschlußfassungsbefugnis, wenn diese in anderen Bestimmungen des Gesetzes oder auf andere Weise festgelegt ist. Die Abgeordneten des Sametings werden von Samen gewählt, die sich in ein Wahlregister eingetragen haben. Das Sameting , dessen Tätigkeit von einer besonderen Verwaltungsinstanz in Karasjok gesteuert wird, begann 1990 mit der Arbeit. Zu den Hauptthemen dieses ersten Jahres seiner Tätigkeit gehörten die Frage der Rentierhaltung und Fischerei, die Sprachenfrage und die seitens der norwegischen Streitkräfte geplanten Bauvorhaben auf samischen Territorium.

 

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